Das war´s – ein Möchtegern-Hochzeitsmusical

„Heiraten – nein danke!“

So oder ähnlich muss man gedacht haben, wenn man sich die Aufführung „Das war´s – ein Möchtegern-Hochzeitsmusical“ des Theaterkurses S4 am 4.4.13 im Forum angeschaut hat. Nicht, weil der Kurs etwa schlecht gespielt hätte, nein, ganz im Gegenteil, sondern weil die Hochzeit, wie Tschechow sie zeichnet, nicht gerade Vertrauen ins Heiraten setzt.

Das warsDen gesamten Abend wartet die Hochzeitsgesellschaft auf das Essen, der Bräutigam heiratet die Braut eigentlich nur wegen des Geldes, die Familie der Braut hingegen hat die Ehe wegen eines höheren Standes angestrebt.

Schon gleich zu Beginn des Stücks geraten Schwiegermutter und Bräutigam in einen Streit über die versprochen Geldanlagen. Die Hochzeitsgäste betrinken sich und der General, auf den die Gesellschaft den ganzen Abend wartet, entpuppt sich als Aufschneider, der bestochen wurde, einen General zu spielen.

Der Theaterkurs der S4 (Frau Behrens) hat das Grundkonstrukt dieser Hochzeit übernommen, aber stark modernisiert. Bei ihnen reicht die Braut noch am gleichen Abend die Scheidung ein, weil in der Power-Point-Präsentation der Freunde des Bräutigams Fotos auftauchen, die ihn in eindeutigen Situationen mit fremden Frauen auf seinem Junggesellenabschied zeigen.  Aber wie das in Musicals so ist – es gibt ein Happy-End! Und kurz nachdem die Braut verweint und enttäuscht ihre eigene Hochzeit verlassen hat, taucht sie beim sentimentalen Lied „Du bist das Beste, was mir je passiert ist“, welches die Hochzeitsgesellschaft im Dunkeln im Laternenlicht singt, wieder auf und versöhnt sich mit ihrem Mann.  Richtig trashig im Prinzip, aber mit Niveau natürlich!

Neu sind weiterhin: Borat, der kasachische Automechaniker, der den ausländischen Freund auf der Hochzeit mimt, Daniela Katzenberger, die den General aus dem Original von A.Tschechow ersetzt sowie die zahlreichen musicalähnlichen Gesangs- und Tanznummern. Die Eltern des Bräutigams geben die englische Nationalhymne zur Besinnung seiner familiären Wurzeln zum Besten, die russische Familie der Braut konterte mit einem kleinen Tänzchen („Kalinka“), gestützt von den Songs „You are the music“ und „Gotta go my own way“ aus dem High-Shool–Musical 2, gesungen vom Bräutigam und der Freundin der Braut.

Den Rahmen bilden eigene Texte der Schülerinnen und Schüler des Kurses über ihre eigenen Vorstellungen zum Thema „Heirat“. Willst du selbst gerne heiraten? Was wäre das Schönste / Schlimmste an deiner Hochzeit? So ergab sich ein deutlicher Kontrast zum Stück von Tschechow.

Zu sehen waren herausragende schauspielerische Leistungen, wie etwa der russische Papa (Dustin Rabzcewski), die englische Schwiegermama (Madina Hazueva) und die aufgedrehte Brautmutter Natascha (Jana Beifus), großartige Gesangsstimmen zu hören, wie etwa die „Wedding-Planerin Gabriele“ (Lena-Franziska Caspersen) und der Bräutigam „Jean-Pierre“ (Dominique Engelhard), sowie perfekte Imitationen von Borat (Assil Tahir) und Daniela Katzenberger (Katharina Obst).

Letztendlich war die Aufführung ein großer Erfolg und trotz kleiner technischer Pannen kamen die persiflierenden Musicalelemente und weiteren vom Kurs vorgenommenen Modernisierungen des über 120 Jahre alten Stücks „Die Hochzeit“ von A.Tschechow gut an.
Die Probenarbeit verlief streckenweise schwerfällig, umso schöner, dass es zu einer gelungenen Aufführung kam!

Bes