Geschichte

Was ist Geschichte?
Wer heute eine Antwort auf diese Frage haben möchte, der schaut natürlich zunächst einmal im Internet nach. Und da finden sich unter Anderem folgende Antworten berühmter Persönlichkeiten:

„Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.“ (Mahatma Gandhi, indischer Freiheitskämpfer)

„Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler.“ (Ingeborg Bachmann, österreichische Schriftstellerin)

„Die Geschichte ist der beste Lehrer mit den unaufmerksamsten Schülern.“ (Indira Gandhi, ehemalige indische Premierministerin)

„Die Weltgeschichte ist auch die Summe dessen, was vermeidbar gewesen wäre.“ (Konrad Adenauer, erster deutscher Bundeskanzler)

„Wer die Enge seiner Heimat begreifen will, der reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, der studiere Geschichte.“ (Kurt Tucholsky)

Ist Geschichte also ein Fach, aus der die Menschheit nichts lernt? Was soll dann dieses Fach an der Schule? Ein genauer Blick auf die Zitate zeigt indes, dass es auf die Einstellung zum Fach ankommt. Alle vier berühmten Persönlichkeiten sind nämlich überzeugt, dass die Geschichte die Menschen viel lehren kann, dass aber leider die Menschen häufig unaufmerksame Schüler sind und deshalb die Fehler der Vergangenheit wiederholen.
Es kommt also wohl auf uns, die „Schüler“ an, wie aufmerksam wir sein wollen und ob wir dann frei nach Tucholsky aufbrechen wollen auf eine Reise in die Geschichte, um die Weite der Zeit zu begreifen und zu verstehen, welche Rolle wir in dieser Zeit spielen.

Und so sieht die „Reise“ in die Vergangenheit am Gymnasium Allermöhe aus – da wären natürlich die verbindlichen (Reise-)ziele des Hamburger Rahmenplans für das Fach Geschichte:

Klassenstufe 6:

  1. Einführung in das Fach Geschichte
  2. Menschen in der Ur- und Vorgeschichte: Von Sammlern und Jägern zu Ackerbauern und Viehzüchtern
  3. Ägypten – Hochkultur am Nil
  4. Hellas – Leben in der Polis
  5. Rom – Vom Dorf zum Imperium Romanum

Klassenstufe 7:

  1. Geistliche und weltliche Herrschaft im Mittelalter (Kaiser, Papst, Könige, Fürsten)
  2. Leben und Wirtschaft im Mittelalter (Bauern, Adelige, die mittelalterliche Stadt, die Hanse)
  3. Grundlagen der Neuzeit: Renaissance, Reformation, Zeitalter der Entdeckungen

Klassenstufe 8:

  1. Das Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung
  2. Die Französische Revolution und ihre Wirkung auf Europa
  3. Europa zwischen Revolution und Restauration

Klassenstufe 9:

  1. Industrialisierung und Soziale Frage
  2. Das deutsche Kaiserreich von 1871 – Imperialismus und I. Weltkrieg
  3. Die Weimarer Republik

Klassenstufe 10:

  1. Nationalsozialismus und II. Weltkrieg
  2. Deutschland zwischen Ost-Westkonflikt und Selbstbestimmung
  3. Globale Entwicklungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Geschichte am Gymnasium Allermöhe bedeutet aber viel mehr als „nur“ Unterricht nach Plan. In den verschiedenen Jahrgangsstufen gibt es unterschiedliche Projekte. Als Beispiele seien hier vorgestellt:

Jahrgang 7: Die „Hamburg-Rallye“

Rallye

Seit dem Schuljahr 2008/2009 veranstalten wir am Gymnasium Allermöhe für die 7. Klassen eine „Hamburg-Rallye“

In kleinen Gruppen sind die Schüler der 7. Klassen unterwegs auf den Spuren mittelalterlicher Berufsgruppen wie Kaufleute, Handwerker, Bierbrauer oder Mönche.
Ausgestattet mit einem Stadtplan, einer Kamera und einem Fragebogen durchstreifen sie selbständig Stadtviertel der Hamburger Altstadt, um zu erkunden, wo und wie die Menschen im Mittelalter gelebt haben. Und so ganz nebenbei lernen sie Ecken Hamburgs kennen, in die sie ansonsten wohl nicht so schnell kommen würden.

Rallye

Rallye

Jahrgang 9: Das Projekt „Alte Heimat – neue Heimat“
Seit dem Schuljahr 2010/2011 bieten die Fächer Geschichte, PGW und Kunst im Rahmen der Projektwoche ein Projekt mit dem Titel „Alte Heimat – neue Heimat“ an. Die Idee zu dem Projekt kam uns, weil viele unserer Schüler bzw. viele Eltern unserer Schüler heimatliche Wurzeln in anderen Ländern wie z.B. Russland, Polen, Afghanistan oder der Türkei haben.
Im Rahmen des Projekts haben die Schüler die Möglichkeit sich mit ihrer „alten“ und ihrer „neuen“ Heimat auseinanderzusetzen. Sie können wählen, ob sie Bilder zu ihrer alten Heimat malen, Texte schreiben oder aber ihren Mitschülern ihre alte Heimat in Form von Länderporträts und Länderboxen (mit landestypischen Gegenständen) vorstellen.

Jahrgang 10: Zeitzeugengespräche zum Thema „Nationalsozialismus“

Geschichte aus erster Hand – Zeitzeugenlesungen am Gymnasium Allermöhe
Seit Mai 2009 organisiert das Gymnasium Allermöhe regelmäßig Lesungen mit jüdischen Zeitzeugen zur Zeit des Nationalsozialismus.

Im Bewusstsein, dass eine Zeit, in der Intoleranz und Ausgrenzung herrschten und Minderheiten wie die der Juden entrechtet, verfolgt und ermordet wurde, nicht wiederkehren darf, widmet sich das Gymnasium Allermöhe sowohl im Unterricht als auch bei Exkursionen zu dem ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme sowie in Veranstaltungen wie den Zeitzeugenlesungen aktiv der Aufklärung über die Zeit des Nationalsozialismus.

Geschichte aus erster Hand: Lucile Eichengreen
Im Mai 2009 und 2010 hatten wir am Gymnasium Allermöhe Frau Lucile Eichengreen zu Gast, die aus ihrem Buch „Von Asche zum Leben“ vorlas.

Frau Eichengreen wurde als Cecilia Landau 1925 im Hamburg geboren. Sie wurde 16jährig in das Ghetto Lodz verschleppt, überlebte Auschwitz und ab 1944 in ihrer ehemaligen Heimatstadt das KZ Neuengamme, seine diversen Außenlager und schließlich Bergen-Belsen, wo sie britische Truppen befreiten. 1945 wanderte sie in die USA aus.Zeitzeugen

Nach der Heirat mit dem deutschen Emigranten Dan Eichengreen zog sie 1949 nach Kalifornien. Heute berichtet sie regelmäßig vor Schülern und Studenten über den Holocaust.

In einer bewegenden Lesung erfuhren die Schüler der 10. Klassen des Gymnasium Allermöhe von Frau Eichengreens Erlebnissen im Ghetto von Lodz und den Konzentrationslagern von Auschwitz, Neuengamme und Bergen-Belsen.
Gerade die genaue Schilderung des alltäglichen Lebens (Wie kam man an etwas zu essen? Was aß man? Wie schlief man?) unter den Bedingungen ständiger Verfolgung und Todesgefahr, erschütterte die Schüler.Zeitzeugen
Von der sich anschließenden Gelegenheit zu fragen, nahmen die Schüler reichlich Gebrauch und erfuhren so von Frau Eichengreen so manches, was eben nicht einfach in den Geschichtsbüchern nachzulesen ist.

Geschichte aus erster Hand:
Schlomo Samson zu Besuch am Gymnasium Allermöhe
Am Donnerstag, den 17.11. 2011 hatte das Gymnasium Allermöhe den jüdischen Zeitzeugen aus der NS-Zeit, Herrn Schlomo Samson, zu Gast.

Nicht ganz genau auf den Tag des 9. November 1938,Zeitzeugen dem Tag der sogenannten „Reichskristallnacht“ erzählte der mittlerweile 88jährige Herr Samson in bewegender Weise von diesem Tag, an dem in Deutschland die Ausgrenzung und Entrechtung der jüdischen Bürger in offene Gewalt umschlug.

Schlomo Samson, geboren 1923 in Leipzig, erlebte diesen Tag in seiner Geburtsstadt Leipzig und musste in Folge der Ereignisse des 9. November nach Holland emigrieren. Nach Besetzung Hollands durch die Wehrmacht wurde Schlomo Samson in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert. Mit viel Glück überlebte er dieses Lager und wurde schließlich auf einem letzten Gefangenentransport kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges befreit.

Besonders beeindruckte die Schüler, dass Schlomo Samson sich und seine Mitgefangenen zu keiner Zeit seiner Gefangenschaft aufgab und unbedingten Lebenswillen und Hilfbereitschaft bewies.

Herzlich willkommen auf unseren Seiten!